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129 / LeserInnenbriefe

LeserInnenbriefe PRIDE Nr. 129

ÖVP Machtspielchen beenden / PRIDE Nr. 128/Juni 2012

Es verwundert schon sehr wenn Herr Weingand von der „Redaktion Steiermark“ in der Pride Ausgabe vom Juni zu Recht die ÖVP kritisiert, und dabei ohne mit den handelnden Personen gesprochen zu haben, auch die Grünen in OÖ schlecht redet, die sich für eine völlige Gleichstellung stark gemacht haben. Ein wesentliches Detail erwähnt er nicht: Die Grünen Andersrum und die Grüne Menschenrechtssprecherin LAbg. Maria Buchmayr haben selbstverständlich mehr gefordert, ja sogar vorgeschlagen und dafür gekämpft, das bei dem Gesetz die eingetragenen PartnerInnen und deren Kinder jeweils in den Angehörigen-Begriff aufgenommen werden. Das hat die ÖVP jedoch abgelehnt, und wir müssen das leider akzeptieren. Aber ist deswegen alles schlecht? Nein, lieber einen Schritt vorwärts machen und das Ziel weiter im Auge behalten. Menschen die sich für die Gleichstellung einsetzen, sind es gewöhnt kleine Schritte zu machen die uns auch vorwärts bringen! Gegenseitiges Schlecht machen bringt uns sicher nicht weiter, wir fordern weiterhin eine völlige Gleichstellung.

Schaumberger Herbert, Vorstand der Grünen Andersrum OÖ.

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Born this Way / PRIDE NR. 127/April 2012:
Born human – not this way!

LeserInnenbrief zum Motto der Wiener Regenbogenparade

Aufgrund meiner Abwesenheit im Zuge eines Research Fellowships an der Universität in Prishtina habe ich erst jetzt mitbekommen, dass das Motto der diesjährigen Regenbogenparade offenbar dieses unsägliche “born this way” war. Zumindest wird das in diversen Szenemedien behauptet und ich sehe schon seit Tagen ständig Bilder von grünen PolitikerInnen und anderen AktivistInnen mit “born this gay” oder “born this lesbian” auf Facebook. Ich halte diese überwiegend von Teilen der US-amerikanischen Szene stammende Strategie für falsch und fatal. Dieses darauf bestehen, als Schwuler oder Lesbe geboren zu sein ist strategisch kontraproduktiv und inhaltlich unsinnig. Es biologisiert sexuelle Orientierung und steht in der Tradition irgendwelcher WissenschaftInnen die verzweifelt auf der vergeblichen Suche nach dem nicht vorhandenen Homo-Gen sind, damit sie beweisen können, dass sie ja nichts dafür könnten lesbisch oder schwul zu sein. Es ist damit defensiv und tendenziell biologistisch. Zudem ist diese “born this way”-Strategie gegenüber bi- und pansexuellen Menschen besonders ausgrenzend, da sie suggeriert es gäbe eben zwei klar getrennte monosexuelle Gruppen (Hetero- und Homosexuelle), dazwischen nichts und einen wenigstens semiautonomen freien Willen sowieso nicht.
Die Konsequenz daraus, dass man “so geboren” ist, muss zudem nicht notwendigerweise ein mehr an Toleranz von Seiten der Heterosexuellen bedeuten, sondern kann auch dazu führen die Vernichtung von Homosexualität durch die Vernichtung der Homosexuellen ins Auge zu fassen.
Auch in den USA, wo diese Argumentation herkommt, gibt es mittlerweile eine ausgeprägte Kritik an diesen Positionen, insbesondere – aber nicht nur – aus dem bi-, pansexuellen und queeren Bereich. Ich fände es wichtig darüber auch hierzulande zu debattieren bevor solche scheinbar eingängigen Argumentationen eingeschlagen werden, die schwer nach hinten losgehen können und letztlich gegenüber Nichtmonosexuellen wiederum ausgrenzend wirken.
Thomas S., E-Mail

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Netzwerk des Grauens / PRIDE NR. 128/Juni 2012:
Medien und HuG gegen Hassprediger!

Hätte es nicht so aufmerksame und objektiv berichtende Medien wie den ORF, die Presse oder die Kleine Zeitung gegeben, so hätte sich der irre Schreiberguß von Haßprediger Tropper lediglich auf sein eigenes Pfarrblatt und  mindestens ebenso kranke ,unchristliche  und rechtslastige Internetforen beschränkt.Ginge es von Seiten Troppers, der in einem widernatürlichen Zwangszölibat lebt und scheinbar schon lange nicht mehr wirklich seelsorgerisch und zwischenmenschlich lieben kann, dann wäre unser schöner kugelrunder, blauer Planet heute noch eine Scheibe, die Sonne würde sich  um die Erde drehen und alles was  aus der katholisch vorprogrammierten Normlehre tanzt würde als Hexe, Zauberer und/oder lesbischwuler Sodomist am Scheiterhaufen verbrannt werden.Eine Religionsgemeinschaft wie die Katholische, welche  über  einen extrem hohen Anteil an schwulen Mitarbeitern (in tuntenballkonformen Röcken und Prachtgewändern ..!)  verfügt und Unsummen  an Entschädigungszahlungen für verbrecherischen Kindesmißbrauch in den eigenen Reihen  bezahlen muß, erfrecht sich in ihrem Unfehlbarkeitswahn noch immer sich selbst als “göttliche Moralinstanz” auch in Belangen der schöpfungsgewollten,gleichgeschlechtlichen LIEBE zu titulieren.

Die Gemeinschaft der KIRCHE ist aber nicht nur die relativ kleine klerikale Minderheitenspitze mit ihren teils haarsträubend, vorvorgestrigen Ansichten, sondern die breite pastorale Mehrheitenbasis des Kirchenvolkes selbst. Und hier rumort es derzeit gewaltig egal ob in der Plattform “Wir sind Kirche” oder bei der gottseidank “ungehorsamen” Pfarrerinitiative für eine glaubwürdige Kirche der Zukunft.Historisch gesehen haben die nachhaltigsten Revolutionen immer von unten begonnen und somit  gibt es durchaus noch Hoffnung, daß der heilige Geist irgendwann auch die alten,kirchengesetzgebenden  Männer in Rom zwangsweise “beflattert”.Gerade in religiösen Krisen-und Aufbruchszeiten wie diesen hat es sich gezeigt, daß auch kleine  Gruppen wie die ökumenische Arbeitsgemeinschaft Homosexuelle und Glaube (HuG), welche sich großteils aus  gläubigen Christen, aber amtskirchenungläubigen Taufscheinkatholiken und Mitbrüderschwestern der wesentlich toleranteren und menschlicheren evangelischen Kirche zusammensetzen,einen wichtigen Beitrag als “rosarotlilaer Medienstachel im faulen Fleisch der Mutter Amtskirche” leisten können.Wir sollten uns überlegen, daß jeder Kirchenaustritt aus verständlichem Protest gegen die oft kaum mehr fassbare katholische  Scheinmoral die ultrarechte Seite weiter stärkt.Etwas zum Positiven kann man/frau nur dann bewirken, wenn man in einer Organisation mitten drinnen steht und nicht wenn man vor ihr flüchtet!

Mit zweckoptimistischen HuGianischen Grüßen, Gerhard M., E-Mail

“Einsam als schwuler Katholik  im neuberger Münster aber niemals alleine als ökumenischer Christ in Gemeinschaft mit der HuG!”

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