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129 / Sonne & Schatten


PRIDE 129/Aug. 2012: Sonne & Schatten
Persönlicher Bericht von den Eurogames & Pride in Budapest

„Ich entschuldige mich für die fehlende Unterstützung durch die Budapester Behörden“, fand der ungarische Stardirigent Adam Fischer (Foto 01) bewegende Worte im Schwimmbad auf der Margareteninsel – und bekam dafür tosenden Applaus von den Hunderten TeilnehmerInnen. Die Überraschung für die OrganisatorInnen und SchwimmerInnen beim Abschiedsevent der Eurogames am Samstag, den 30. Juni, war mir gelungen: Durch meinem Einsatz im Europaparlament gegen die antidemokratischen Entwicklungen der Regierung Orbán bin ich mit Fischer in Kontakt gekommen. 2010 hat Fischer sein Amt als Budapester Operndirektor aus Protest gegen den Besetzungsdruck der neuen Regierung aufgegeben. Seine Worte waren ein schöner Dank an Miklos Goschy (Foto 01), Gabor und die anderen, die trotz widriger Umstände (politischer wie auch technischer Natur) Großartiges geleistet hatten.

Für alle war die Anwesenheit des berühmten Ungarn wohltuend, weil sich der Bürgermeister von Budapest sowohl gegen die Eurogames als auch gegen die Parade und unseren „Lebensstil“ ausgesprochen hatte. Für die ersten Eurogames in Mittel- und Osteuropa sowie den Pride-Event gab es jedoch Unterstützung von zahlreichen EU-BotschafterInnen, inklusive dem österreichischen Botschafter Michael Zimmermann, der zum Empfang für die österreichischen Eurogames-TeilnehmerInnen in die Botschaft einlud (Foto 02).

Die österreichischen Erfolge gereichen auch unserem Land durchaus zur Ehre. 30 SportlerInnen traten in vier Bewerben an: Die Grazer BALLaver-Fussballerinnen (Foto 04) erdribbelten Gold. 12 Kraulquappen-SchwimmerInnen (Foto 03) ergatterten im kühlen Wasser auf der Margareteninsel gar 31 Medaillen: Staffeln 2 Gold, 2 Silber, 3 Bronze, Einzel Frauen 10 Gold, 5 Silber, Einzel Männer 6 Gold, 3 Silber;

Auch die Wiener Tennis- und die niederösterreichischen Badmintonspielerinnen haben sich wunderbar geschlagen: 1 Silber beim Tennis, 1 Gold und 1 Silber beim Badminton Einzel und 1 Silber im Doppel. Insgesamt hatten die Budapester Eurogames 2.200 TeilnehmerInnen aus 34 Ländern, auch aus solchen für Lesben und Schwule schwierigen Staaten wie Serbien, Russland oder Ukraine. Seit dem Amtsantritt von Orbán 2010 wurden leider auch in dem nach der Wende fortschrittlich-liberalen Ungarn die Uhren zurückgestellt: Das bedeutete kaum Unterstützung durch offizielle Stellen.

Diese unerfreulichen Nachrichten aus Ungarn wirkten sich negativ auf die TeilnehmerInnenzahl aus: Einige hatten Angst, nach Budapest zu fahren, oder wollten nicht in ein Land mit einer derart rechtslastigen Regierung kommen. Dafür fehlt mir das Verständnis. Gerade Menschen aus Ländern, in denen schon mehr an Freiheit erreicht wurden, müssen doch jene unterstützen, die sich an die Organisation solcher Veranstaltungen in schwierigen Ländern heranwagen. Einige kamen genau deshalb nach Budapest.

Die Eröffnungsreden bei den Eurogames hielten mit Kinga Göncz, der sozialdemokratischen früheren ungarischen Außenministerin, und mir als LGBT-Intergroup-Vorsitzende zwei prominente Europaabgeordnete – und wir bekamen dafür viel Applaus.

Ich betonte, dass wir Lesben, Schwule, Bisexuelle und TransGender im Zentrum der Gesellschaft angekommen sind, sei es im Sport, in der Wirtschaft, an den Unis oder in unseren Familien – und dass wir uns von niemandem von diesem erkämpften Platz wieder verdrängen lassen würden. Homophobie gehört „in the closet“, also ins Versteck, aber auf keinen Fall wir!

Die Parade am 7. Juli vom Stadtpark zum Parlament war eine zum Teil geschlossene Veranstaltung unter massivem Polizeischutz (Foto 05). Besonders ins Out hatte sich vor der Parade wieder der Bürgermeister von Budapest gestellt, indem er in einem Antwortschreiben an Michael Cashman und mich, die wir ihm als Intergroup-Vorsitzende unsere Sorge über die Nicht-Unterstützung der Stadt mitgeteilt hatten, ohne Skrupel erklärte: Solche Sorgen seien „kein Zeichen von Intellekt“ – das richtet sich selbst!

In unseren Reden beim Pride Picknick gingen meine Intergroup-Kollegin Sophie In t‘ Veld (Foto 06) als auch ich auf diesen Fauxpas ein. Sophie empfahl dem Bürgermeister, seine Marketingstrategie für Budapest in Richtung Toleranz und Akzeptanz von Vielfalt zu ändern. Ich hielt ihm vor, dass auch die geschätzten 180.000 LGBT-Personen in Budapest ein Recht darauf haben, vom Bürgermeister als Bürgerinnen und Bürger der Stadt ernst genommen zu werden.

Wir marschierten rund zwei Stunden bei fast 40 Grad durch die auto- und menschenleeren Straßen – alles weitläufig abgeriegelt, damit ein paar hundert Rechtsradikale nicht in unsere Reichweite kamen. Aus einigen Fenstern winkten uns Menschen zu, und wir hatten viel Spaß bei beschwingter Musik.

Den gesamten Orga-Teams von Eurogames und Pride sei hier nochmals ein herzliches MELEG KÖSZENET gesagt: meleg steht für warm/herzlich – aber auch für schwul – und köszene-m/t heißt danke!

Text: Ulrike Lunacek

Spenden:
Die Eurogames waren trotz des politischen und sportlichen Erfolgs leider finanziell nicht ganz so erfolgreich. In Österreich haben die Kraulquappen ein Spendenkonto (bis 31.8.) eingerichtet: Kraulquappen Wien, WSK Bank, Kontonummer: 443222, BLZ: 44960, Verwendungs­zweck: „Eurogames Budapest“

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