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133 / Ziemlich uncool

Josef Pühringer (ÖVP) warnt vor Gleichstellung und zeigt wieder einmal das konservative Gesicht seiner Partei.

In einem Interview mit der Zeitung „Der Standard“ sagte der oberösterreichische Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP) Anfang März über gleichgeschlechtliche Partnerschaften: „Ich warne eindringlich vor Gleichstellung. Denn da wird das Grundbild abgewertet, das man anzustreben hat. Toleranz heißt nicht Gleichstellung. Toleranz heißt nur, dass ich akzeptiere, dass es das andere auch gibt.“

Das ÖVP-Idealbild der Familie bestehe nach wie vor aus Vater, Mutter und Kindern – „das zu sagen, ist nicht uncool“, so Pühringer weiter. Sollte dies nicht gelingen, wie zum Beispiel bei Alleinerzieherinnen, habe man „großes Verständnis“, aber man könne deswegen „seine Idealbilder“ nicht aufgeben, erklärte er. Passenderweise untermauerte er seine Ansicht noch mit einem Bibelzitat.

Kritik daran kam prompt. „Familienpolitik á la Pühringer zeigt die Überheblichkeit einer seit 1945 regierenden Partei, die über alles drüberfährt, was nicht den eigenen Wert-(Vor)urteilen entspricht“, ärgerte sich die ober­österreichische Lesben- und Schwulen­initiative HOSI Linz. In einer Aussendung erinnerte Vereinssprecher Gernot Wartner daran, er sei „nicht nur Landeshauptmann für ein paar Tausend konservativ-katholische OberösterreicherInnen, sondern auch Landeshauptmann von rund 60.000 Lesben und Schwulen – von deren Angehörigen und FreundInnen ganz zu schweigen“.

Seitens der SPÖ Oberösterreich empörte sich Familiensprecherin Petra Müllner. „Es ist an der Zeit, dass die ÖVP beweglicher wird und sich einer modernen Gesellschaftspolitik öffnet. Ziel muss es sein, eine völlige Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare zu erreichen. Wenn sich der Landeshauptmann auf die Bibel beruft, so ist das seine Sache als ehemaliger Religionslehrer. Wie er die Dinge gesellschaftspolitisch regelt, fällt aber eindeutig in seine Zuständigkeit als Landeshauptmann“, so Müllner.

Auch Reaktionen verärgerter BürgerInnen blieben dem Landeshauptmann nicht erspart, wie der Brief von Brigitte Menne (siehe unten), langjährige Aktivistin im Linzer Frauenzentrum und Trägerin der Humanitätsmedaille des Landes OÖ zeigt.

Text: Gerhard Niederleuthner

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Brief von Mag.a Brigitte Menne an Landeshauptmann Dr. Pühringer!

Amt der Oö. Landesregierung
Büro des Landeshauptmannes Dr. Josef Pühringer
Landhausplatz 1, 4021 Linz

Sehr geehrter Herr Landeshauptmann Dr. Pühringer!

Am 27. 4. 2009 wurde mir  von Ihnen, Herr Landeshauptmann, und von Herrn Landesrat Ackerl, die Humanitätsmedaille des Landes Oberösterreich in Würdigung meiner Verdienste im Sozialwesen verliehen.

Im letzten Sonntags-Standard vom 2./3. März 2013 lese ich im Interview von Katharina Mittelstaedt, welche Grundwerte Sie, Herr Landeshauptmann, vertreten: „Unser Idealbild ist die Familie und bleibt die Familie mit Mutter, Vater und Kindern.“ Sie warnen eindringlich vor der (rechtlichen) Gleichstellung der Regenbogenfamilien mit der traditionellen Kernfamilie. Ich bin zutiefst schockiert über Ihre Einstellung, weil sie mir zeigt, dass auch unsere Generation noch immer nicht frei ist von selektivem Gedankengut. Mit Ihrer Äußerung zementieren Sie die Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Paare im veralteten Familienrecht.

Herr Landeshauptmann! Es gibt so viele menschliche Konstellationen, in denen „Familie“ realisiert ist. Sie alle haben Anspruch auf gleiche Wertschätzung – während Sie bestimmte Menschen davon ausschließen wollen.

Ihre persönlichen Ideale unbenommen: Wie können Sie als Politiker  verschiedenen Familienkonstellationen (mit oder ohne Kindern) nicht dieselben Rechte und Förderungen zu Teil werden lassen!? Ist Ihnen bewusst, wie viele Ihrer oberösterreichischen Landeskinder Sie zu Menschen zweiter Klasse deklarieren?

Ich bin es meiner Ehre schuldig, Ihnen die erwiesene Ehre zurück zu erstatten. Aus Protest gegen Ihre diskriminierende Haltung gebe ich meine von Ihnen überreichte Humanitätsmedaille zurück. Ich ziehe es vor nicht geehrt zu sein, dafür aber politisch Position zu beziehen.

Mein Schreiben ergeht auch an Herrn Landesrat Ackerl.

Mag.a Brigitte Menne
Wien, am Internationalen Frauentag 2013

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