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131 / Es reicht!

Genug der Hetze aus der rechtskatholischen Ecke!

Seit Jahren schon müssen es sich Lesben und Schwule gefallen lassen, dass sie unter dem Schutzmantel der „Religionsfreiheit“ von rechtskatholischen Kreisen, die zumeist auch noch Verbindungen zur Neonazi-Ecke haben, auf das Übelste beschimpft werden. Menschenwürde und Respekt vor dem Anderen ist dabei genauso wenig vorzufinden wie christliche Nächstenliebe. Immer wieder ist dabei das Internet-Portal kreuz.net als extrem aufgefallen, das sich selbst als Katholisches Nachrichtenportal bezeichnet, aber eigentlich nur Hassparolen verbreitet – und das auch noch auf dem Niveau von Volksschulaufsätzen. Die offizielle Amtskirche hat sich bisher immer nur halbherzig davon distanziert und keine großartigen Bemühungen erkennen lassen, die UrheberInnen ausfindig zu machen. Es hat der Kirche wahrscheinlich in ihre Ab- und Ausgrenzungspolitik gepasst, wenn gegen Juden, Muslime und Homosexuelle angeschrieben wird. Die Nähe zu Holocaust-Leugnern, strammen rechten Recken und obskurantistischer Frömmelei war ohnehin noch nie ein Problem für die Amtskirche. Während die Domain abwechselnd auf Jamaica, den Bahamas oder in einem anderen karibischen Inselstaat gemeldet ist und die Server in den USA oder Moldawien stehen – also alles Staaten, wo solche Umtriebe juristisch nicht verfolgt werden können –, sind etliche der AutorInnen des Portals doch namentlich bekannt. Und es sind durchaus Mitglieder der Amtskirche.

Wüste Beschimpfungen

Die jüngste Hetze gegen den verstorbenen Entertainer Dirk Bach auf dem Internetportal, die nach wüstesten Beschimpfungen im Satz gipfelte, „Jetzt brennt er in der ewigen Homo-Hölle“, war der Tropfen, der das Fass jetzt zum Überlaufen brachte. Kurz entschlossen hat der Berliner Bruno Gmünder Verlag die Aktion „Stopp kreuz.net“ ins Leben gerufen und ein „Kopfgeld“ von 15.000 Euro für jene ausgelobt, die helfen, den BetreiberInnen des Hetzportals das Handwerk zu legen. Als Koordinator der Aktion firmiert der 44-jährige Theologe David Berger. Der konservative Nachwuchstheologe war in Rom als Spezialist für Thomas von Aquin aufgefallen. Er galt als gescheit und treu im konservativen Weltbild verankert. Er hat ein Faible für Sakralgewänder und die lateinische Messe. Auch deshalb war der Kontakt zur traditionalistischen Pius­bruderschaft recht eng. Nicht von ungefähr wurde ihm die Herausgeberschaft für die traditionsorientierte Zeitschrift „Theologisches“ angetragen. Auch an der Päpstlichen Akademie des heiligen Thomas von Aquin in Rom ging Berger ein und aus. Bis zum März 2010. Da beendete er sein Doppelleben und bekannte sich offen zu seiner langjährigen Partnerschaft. Als Prophet wider einen „Katholizismus des heiligen Scheins“ ging er fortan in die Öffentlichkeit und sprach über Homosexualität in der katholischen Kirche. Beruflich verlor er damit seine Existenz. Der Kölner Kardinal Meisner entzog ihm die Lehrbefugnis missio canonica. Und kreuz.net reagierte prompt und stellte ihn wegen seiner Homosexualität an den virtuellen Pranger. Vulgärtiraden brachen über ihn herein und massive Drohungen. „Schlagt dem Schwulen auf die Fresse“, forderte kreuz.net auf und stellte seine Privatadresse gleich mit ins Netz.

„Stopp kreuz.net“ ist jetzt Bergers neue Wirkungsstätte. Ihm ist bewusst, dass das Wort „Kopfgeld“ provoziert. Aber diese ausgesetzte Belohnung, die mittlerweile bereits auf 24.000 Euro angewachsen ist, hat der Aktion jene Aufmerksamkeit verschafft, die es braucht, um den Verantwortlichen des Hassportals auf die Spur zu kommen. Denn bisher verliefen alle Recherchen im Sand. Hunderte Mails mit Hinweisen auf AutorInnen und SympathisantInnen sind prompt in den vergangenen Wochen eingegangen. Und die meisten InformantInnen gaben sich als gläubige KatholikInnen zu erkennen, die vom Treiben der
PortalbetreiberInnen angewidert sind.

Namen von fünf Personen

„Wir gehen von einer ganz kleinen Redaktion aus“, teilte Berger auf Facebook mit. Wenige Namen nur, die sich auf ein paar Gebiete konzentrieren: St. Pölten und Linz, der Raum Köln, Chur in der Schweiz. Namen von fünf Personen, auf die sich Hinweise konzentrieren, hat Berger bereits der Staatsanwaltschaft Berlin übergeben. Sie ermittelt wegen Volksverhetzung. Auch in Österreich ist die Staatsanwaltschaft bereits tätig geworden. „Bis auf einen sind es lauter Priester“, sagte Berger gegenüber Medien, „Und zwar nicht aus kirchlichen Randgruppen.“ Einer der Genannten ist Hendrick Jolie, Pfarrer im Bistum Mainz und Sprecher eines reaktionären Priesternetzwerks. Jolie gab mittlerweile zu, Texte an das Hetzportal kreuz.net geliefert zu haben. Das Bistum beließ es bei einem Rüffel. Erzbischof Schönborn wiederum sprach davon, dass er schon länger Vermutungen hege, wer in seiner Diözese an kreuz.net mitarbeite, blieb aber die Antwort schuldig, warum er denn nicht tätig geworden sei, um aus Vermutungen Fakten zu schaffen. Berger erklärt dieses Verhalten mit Angst. Bischöfe, die sich klar positionierten, müssten damit rechnen, im Vatikan und von kreuz.net denunziert zu werden. „Atmosphärenvergiftung in der Kirche“ nennt das der Theologe.

Man darf gespannt sein, ob es Berger gelingt, diesen Hasspredigern das Handwerk zu legen. Seit 1. Dezember ist die Seite jedenfalls – zumindest vorübergehend – nicht mehr erreichbar.

Text: Gernot Wartner

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